Dein erstes Portfolio ohne einen einzigen Auftrag
Ohne Aufträge kein Portfolio, ohne Portfolio keine Aufträge. Der Ausweg ist unspektakulär und dauert zwei Wochen.
6 Minuten Lesezeit
Fast jeder bleibt hier stecken. Die Lösung ist so naheliegend, dass sie übersehen wird: Du drehst Videos für Produkte, die du bereits besitzt — ohne jeden Auftrag.
Das ist kein Betrug und kein Notbehelf. Es ist üblich, und professionelle Creator machen es dauerhaft weiter, um neue Ansätze auszuprobieren.
Warum das funktioniert
Eine Marke will nicht wissen, ob du schon für andere gearbeitet hast. Sie will wissen, ob du ein Video abliefern kannst, das sie verwenden könnte. Diese Frage beantwortet ein selbst gedrehtes Video genauso gut wie ein bezahltes.
Niemand fragt, ob du für das Video in deinem Portfolio bezahlt wurdest. Gefragt wird, ob du so etwas auch für sie machen kannst.
Was du drehst
Nimm drei bis fünf Produkte aus deinem Alltag. Gute Kandidaten:
- Etwas aus der Hautpflege oder Kosmetik — die größte Kategorie im UGC.
- Ein Nahrungsergänzungsmittel oder Getränk.
- Ein Haushalts- oder Küchengegenstand, den du wirklich benutzt.
- Etwas Technisches: Kopfhörer, Lampe, Ladegerät.
- Ein Kleidungsstück, wenn du dich vor der Kamera wohlfühlst.
Bewusst verschiedene Kategorien. Marken wollen sehen, dass du dich nicht nur in einer Ecke bewegst — außer du willst dich genau darauf spezialisieren.
Wie du drehst
Behandle es wie einen echten Auftrag. Schreib dir vorher auf, was passieren soll:
- Einstieg: Womit hältst du jemanden auf?
- Problem: Was nervt ohne dieses Produkt?
- Anwendung: Wie wird es benutzt? Nah dran filmen.
- Nutzen: Was ist danach besser?
- Abschluss: Ein Satz, der zum Kauf einlädt.
Halte dich an 20 bis 40 Sekunden. Länger schaut niemand, und kürzer wirkt abgehackt.
Dreh von jedem Video drei verschiedene Einstiege. Das kostet fünf Minuten extra und zeigt genau die Fähigkeit, für die Marken zusätzlich zahlen.
Was ins Portfolio gehört und was nicht
Nimm nur, was du wirklich gut findest. Fünf starke Videos sind besser als zwölf mittelmäßige — bei zwölf schaut sich ohnehin niemand alle an, und das schwächste bleibt hängen.
- Jedes Video im Hochformat, mit Untertiteln.
- Ton geprüft: kein Rauschen, kein Hall, keine Übersteuerung.
- Keine sichtbaren fremden Markenlogos im Hintergrund.
- Kein Musikstück, für das dir die Rechte fehlen.
Wo du es hinlegst
Es braucht keine Website. Ein geteilter Ordner in einer Cloud reicht völlig — Hauptsache, der Link funktioniert ohne Anmeldung und ohne Zugriffsanfrage.
Praktisch ist eine einzelne Seite mit einer kurzen Beschreibung pro Video: Produktkategorie, was du gemacht hast, Länge. Damit kann jemand in dreißig Sekunden einschätzen, ob du passt.
Der Fehler, der am meisten kostet
Warten, bis es perfekt ist. Es wird nicht perfekt. Dein fünftes Video wird besser als dein erstes, dein fünfzigstes besser als dein fünftes — und in dieser Zeit hättest du längst bezahlte Aufträge haben können.
Zwei Wochen, fünf Videos, dann verschicken. Ein unfertiges Portfolio, das jemand sieht, schlägt ein perfektes, das noch entsteht.
Was du mitnehmen solltest
- Selbst gedrehte Videos sind vollwertige Arbeitsproben.
- Drei bis fünf Stück, verschiedene Kategorien, je 20–40 Sekunden.
- Jeweils drei Einstiege — das zeigt eine Fähigkeit, die extra bezahlt wird.
- Nach zwei Wochen verschicken, nicht weiter feilen.
Bevor du drehst, lohnt sich der Artikel zum Einstieg und der zu Licht und Ton.