Licht und Ton mit dem, was du zu Hause hast
Schlechtes Bild verzeiht man. Schlechten Ton schaltet man weg — und das ist der häufigste Grund für Nachbesserungen.
7 Minuten Lesezeit
Wenn Material abgelehnt oder nachgefordert wird, liegt es selten am Bild. Es liegt fast immer am Ton, und danach am Licht.
Beides lässt sich ohne Ausrüstung deutlich verbessern. Es geht um Standort und Gewohnheit, nicht um Geräte.
Ton: die vier Regeln
Räume klingen, Menschen nicht. Der Hall in deiner Aufnahme kommt von leeren Wänden und Fliesen. Dreh in Räumen mit Teppich, Vorhängen, Sofa, vollen Regalen. Ein Schlafzimmer klingt fast immer besser als ein Wohnzimmer, und beide besser als Küche oder Bad.
Nähe schlägt alles. Ohne Ansteckmikrofon: Halte das Handy so nah wie möglich. Der Abstand ist der wichtigste Faktor überhaupt — doppelte Entfernung heißt viermal mehr Raumanteil.
Störgeräusche vorher abstellen. Kühlschrank, Lüftung, Waschmaschine, Handy auf lautlos. Was während der Aufnahme läuft, bekommt man nachträglich kaum sauber heraus.
Nach zehn Sekunden abhören. Nimm zehn Sekunden auf, hör sie mit Kopfhörern ab, dann dreh. Das erspart dir, nach vierzig Minuten festzustellen, dass alles brummt.
Der teuerste Fehler ist ein kompletter Drehtag mit unbrauchbarem Ton. Zehn Sekunden Kontrolle vorher verhindern ihn.
Licht: das Fenster ist die beste Lampe
Tageslicht durch ein Fenster ist weicher und natürlicher als fast jede Lampe, die du kaufen könntest. Nutze es:
- Stell dich mit dem Gesicht zum Fenster, nicht mit dem Rücken davor. Sonst bist du eine Silhouette.
- Bewölkter Himmel ist besser als direkte Sonne — Sonne macht harte Schatten und Blinzeln.
- Etwa einen Meter Abstand zum Fenster. Direkt davor wird eine Gesichtshälfte zu hell.
- Nicht zwischen zwei Lichtquellen stellen. Fenster und Deckenlampe zusammen ergeben zwei verschiedene Farbtöne im Gesicht.
Die Deckenlampe ausschalten. Sie kommt von oben und macht Schatten unter Augen und Nase. Fast immer besser ohne.
Abends drehen
Wenn es nicht anders geht: eine Lichtquelle, leicht seitlich vor dir, etwas oberhalb der Augenhöhe. Ein Ringlicht funktioniert, eine Schreibtischlampe mit einem Blatt Papier davor auch.
Wichtig ist nur, dass es eine Hauptlichtquelle gibt und nicht drei verschiedene. Mischlicht sieht immer nach Amateur aus, egal wie teuer die Lampen waren.
Was du für den Schnitt mitliefern solltest
Wenn dein Material geschnitten wird — von dir oder von jemand anderem — macht das hier den Unterschied zwischen zwei Stunden und vierzig Minuten Arbeit:
- Vor und nach jedem Satz zwei Sekunden Ruhe lassen. Das gibt Luft für saubere Schnitte.
- Jede Aussage zwei- bis dreimal aufnehmen. Beim Schnitt wird die beste genommen.
- Zwischendurch Detailaufnahmen vom Produkt drehen — ohne Ton, zehn Sekunden pro Einstellung. Diese Bilder retten jeden Schnitt.
- Nicht nach jedem Versuch stoppen. Lieber durchlaufen lassen und mehrfach ansetzen; das spart hinterher das Zusammensuchen vieler Dateien.
Wer für den Schnitt filmt statt nur für sich, bekommt bessere Ergebnisse zurück — und wird häufiger wiedergebucht.
Die Prüfung vor dem Absenden
- Mit Kopfhörern anhören: Hall? Brummen? Zu leise?
- Auf dem Handy ansehen: erkennt man das Gesicht, ist das Produkt lesbar?
- Stumm ansehen: versteht man auch ohne Ton, worum es geht?
- Die ersten zwei Sekunden einzeln prüfen — dort entscheidet sich alles.
Was du mitnehmen solltest
- Ton ist wichtiger als Bild. Volle Räume, nah dran, Störquellen aus.
- Zehn Sekunden Probeaufnahme abhören, bevor du richtig anfängst.
- Gesicht zum Fenster, Deckenlampe aus, eine Lichtquelle statt drei.
- Pausen lassen, mehrfach aufnehmen, Detailaufnahmen mitliefern.
Welche Ausrüstung sich tatsächlich lohnt, steht hier.