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Was du verlangen kannst

Die meisten Creator verlangen zu wenig — nicht aus Bescheidenheit, sondern weil ihnen niemand sagt, was üblich ist.

9 Minuten Lesezeit

Über Geld wird in dieser Branche ungern offen gesprochen. Das hat einen Grund: Fast alle, die dich buchen könnten, profitieren davon, dass du deinen Wert nicht kennst. Also stehen hier Zahlen.

Die Grundpreise

Für ein fertiges UGC-Video, rein organische Nutzung, im DACH-Raum:

Preisspannen nach Erfahrungsstufe
ErfahrungPro Video
Einsteiger, erste 6 Monate50–200 €
Fortgeschritten, 6–18 Monate200–500 €
Profi, ab 18 Monaten500–1.500 €

Diese Spannen sind breit, und das ist ehrlich so. Wo du landest, hängt weniger an deiner Reichweite als an drei Dingen: wie gut dein Portfolio aussieht, wie verlässlich du lieferst, und ob die Marke dich als austauschbar empfindet oder nicht.

Der häufigste Fehler am Anfang ist nicht ein zu hoher Preis. Es ist ein zu niedriger, der nie wieder korrigiert werden kann, weil derselbe Kunde beim nächsten Mal wieder 80 € erwartet.

Die Aufschläge, die fast alle vergessen

Der Grundpreis gilt für organische Nutzung — die Marke postet dein Video auf ihren eigenen Kanälen, fertig. Alles darüber hinaus kostet extra, und zwar erheblich:

Übliche Aufschläge für erweiterte Nutzungsrechte
Zusätzliche NutzungAufschlag
Bezahlte Anzeigen im DACH-Raum+20–30 %
Bezahlte Anzeigen EU-weit+30–50 %
Bezahlte Anzeigen weltweit+50–80 %
Buyout, zeitlich unbegrenzt+100–150 %

Und für Zusatzleistungen:

Übliche Aufschläge für Zusatzleistungen
LeistungAufschlag
Weitere Hook-Variante+25–50 %
Rohmaterial herausgeben+50–100 %
Lieferung binnen 48 Stunden+25–50 %
Whitelisting, pro Monat+10–30 %

Rechne das einmal durch. Ein Video zu 300 €, das weltweit als Anzeige laufen soll, mit zwei zusätzlichen Hooks und Rohmaterial, ist kein 300-€-Auftrag. Es sind eher 800 €. Wer den Grundpreis nennt und die Nutzung nicht klärt, verschenkt die Differenz.

Wo Plattformen ansetzen

Bei den großen Volumenplattformen zahlt eine Marke oft rund 120 € für ein Video. Beim Creator kommen davon etwa 50 bis 70 € an — und zwar regelmäßig für eine Nutzung, die faktisch einem unbegrenzten Buyout entspricht.

Im Direktgeschäft wäre derselbe Umfang bei 500 bis 625 € gelandet. Die Differenz ist keine Vermittlungsgebühr. Es ist ein Rechteverkauf unter Wert, der nicht als solcher benannt wird.

Plattformen sind nicht per se schlecht. Aber lies genau, welche Rechte du abtrittst — und rechne aus, was dieselbe Nutzung direkt gekostet hätte.

Mengenrabatte

Üblich und in Ordnung, solange sie im Rahmen bleiben:

Wer 40 % verlangt, testet nur, ob du nachgibst. Ein Paket ist für dich günstiger als Einzelaufträge, weil Absprache und Einarbeitung nur einmal anfallen — aber der Dreh dauert trotzdem genauso lang.

Wie du einen Preis nennst, ohne zu zittern

Nenne den Preis als Feststellung, nicht als Frage. „Das Paket liegt bei 450 Euro netto" ist ein Satz. „Ich hätte da so an 450 gedacht, wäre das okay?" ist eine Einladung zum Verhandeln.

Und schweige danach. Der häufigste Fehler ist, die Stille selbst zu füllen und dabei den Preis zu senken, bevor überhaupt jemand widersprochen hat.

Wenn eine Marke ablehnt, ist das kein Urteil über deine Arbeit. Es heißt, dass ihr Budget woanders liegt. Beides kann stimmen.

Was du mitnehmen solltest

Wie die einzelnen Rechtestufen genau funktionieren, steht im Artikel zu Nutzungsrechten. Das ist der Teil, an dem die meisten Creator Geld liegen lassen.